Wer?

Als Jugendliche wollte ich mal Dirigentin werden, ersatzweise habe ich dann Musikwissenschaft und Musikethnologie studiert, um dann doch noch kurz vor dem Abschluss auf Jus zu wechseln. Seit langem bin ich nun als Anwältin und Mediatorin, Coach und Supervisorin in Zürich tätig und übe mich nebenher in diversen Stilen (Barock bis Balkan) im musikalischen Fünfkampf (Gesang, Blockflöte, Gitarre, Kontrabass, Perkussion).

Von vielen Musikerinnen und Musikern durfte ich lernen und durch die lange praktische Beschäftigung mit Barock- und anderer Tanzmusik mit zahlreichen Menschen zusammenspielen, das ist nach wie vor eine grosse Freude.
Ganz zu schweigen von den unzähligen Noten, die ich stets und überall eingesammelt, legal wie illegal kopiert, fotografiert, gescannt, runtergeladen, gehamstert und wieder unter die Leute gebracht habe. Die heutige nebenberufliche Tätigkeit als Notenschreiberin und Verlegerin hat meine Sensibilität für Urheberrechtsfragen merklich erhöht und ist letztlich wohl nichts anderes als der Versuch, wenigstens einen Teil der Beute geordnet zurückgeben zu können.

Das auf dieser Webseite re-präsentierte Repertoire der traditionellen barocken Tanzmusik liegt mir sehr am Herzen. Es handelt sich um anrührende kleine Stücke, die von und für einfache Leute und emporstrebende BürgerInnen zusammengestellt und gespielt wurden. Die einen übten sich auf Geige oder Flöte und füllten peu à peu ein eigenes Notenbuch, die anderen spielten regelmässig an Festen in Stadt und Land oder tanzten zu dieser Musik. Die Lebensbedingungen waren hart. Es gab nicht häufig die Gelegenheit für Feste, Feiern und ausgelassene Freude am Leben, zumal die Lebenserwartung damals nicht einmal halb so lang war wie heute – besonders die Kinder- und Frauensterblichkeit war hoch. Menschen mussten rasch erwachsen werden, arbeiteten jeden Tag von früh bis spät und alterten schnell. Die Frische in dieser Musik könnte ihnen die nötige Kraft gegeben haben, um dann auch noch stundenlang spielen oder tanzen zu können.

Damit auch heutige Menschen diese Musik wieder vom Blatt spielen und nach dem eigenen Geschmack ausbauen können, mitunter auch mit barockfremdem Instrumentarium, ist es mir ein grosses Anliegen, eine interessante und breite Auswahl aus dem TradBarock-Repertoire spielfertig zu präsentieren. Gleichzeitig soll der Bearbeitungsvorgang bis in das Manuskript zurück nachvollzogen werden können, um auch dem wissenschaftlichen Interesse gerecht zu werden.

Ein grosser Dank gebührt den folgenden Menschen, die zu den digitalen wie analogen Noteneditionen massgeblich beigetragen haben:

Corinne Holtz, Musikerin und Musikpublizistin, Weggefährtin und Freundin, Autorin der Texte in den Notenbüchern und Geigerin auf den Audioaufnahmen,

Ulysse Marendaz, persönlicher Assistent mit dem umfassenden Ressort „Dies und Das“ und entsprechend vielfältigen Fähigkeiten (u.a. Webseite, Satz, Marketing),

Claire Genewein und Peter Schmid, die mich durch ihr Vorbild ermutigt haben, auch noch Notenverlegerin zu werden und viele wertvolle Tipps gaben,

Monika Hugentobler, die beispielsweise in der Lage ist, Packpapier mit Kartoffeldruck aus den 1920er Jahren für die Edition des Manuskripts Storm neu zu zeichnen,

Susanne Hess, die als Anglistin, Germanistin und Altphilologin den Haupttext der analogen Noteneditionen in der englischen Fassung lektoriert hat, wobei sie die korrigierende Oberaufsicht über Machine Learning (AI/KI) innehatte,

Renate Steinmann, die als Konzertmeisterin des Zürcher Barockorchesters und der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen sowie als Lehrerin und Freundin viel zu meiner barocken Bildung beigetragen hat,

Philipp Wagner, der als Lehrer gerade meine älteste Liebe zur Blockflöte und das Wissen um barocke Tanzmusik wieder auffrischt,

den Mitarbeitenden von Bibliotheken und Archiven, die Manuskripte digitalisiert haben, mit Hinweisen weiterhelfen konnten (z.B. der Kurrentschriftspezialist Rainer Walter von der Zentralbibliothek Zürich) oder hübsche Briefwechsel übers weite Meer mit mir geführt haben (z.B. Heiðrún Hödd Guðmundsdóttir von der Färöischen Landesbibliothek betreffend das Manuskript Svabo).

Last but not least ein grosser Dank an die anderen Noten-Nerds des TradBarock:

  • Tage Aabech in Dänemark, der zahlreiche Notenbücher aus Privatbesitz zugänglich gemacht hat (z.B. die Manuskripte Bülow, Hammer, Reventlow, Riber, Rønning, V.D.W.),
  • Richmud Rollenbeck († 2020) in Deutschland, die die Tanzsammlung Dahlhoff vollständig abgeschrieben und hierzu weiter recherchiert hatte,
  • Magda Wensing in England, die von ihrem Hausboot aus die eigenen Abschriften und umfangreiche Rechercheergebnisse geschickt hat (Manuskript Balmer),
  • Ad Kwakernaat († 2024) und Johan van der Elst in den Niederlanden, die zahlreiche Manuskripte transkribiert, Tausende Notenblätter erstellt und öffentlich zur Verfügung gestellt haben,
  • Magnar Osland in Norwegen, der aus alten Notenbüchern abgeschrieben und zahlreiche Stücke für den Instrumentalunterricht neu arrangiert hat,
  • Simon Wascher in Österreich, der viele Manuskripte im deutschsprachigen Raum vollständig abgeschrieben und veröffentlicht hat sowie mit wertvollen Hinweisen auf Konkordanzen weitergeholfen hat (v.a. Tanzsammlung Dahlhoff und Dantz Büchlein Dreysser).