Erik Jensens Nodebog 1790-1791

Dieses Notenbuch befand sich im Nachlass von Evald Tang Kristensen (1843-1929), also von Dänemarks bekanntestem Volkskundler. Er war mit verdrehten Füssen geboren worden – und wäre da nicht ein beherzter Arzt gewesen, der ihm direkt nach der Geburt die Füsse gerichtet hätte, so hätte er später wohl kaum lange Strecken zu Fuss bewältigen können. Er pflegte nämlich stets den direkten Kontakt vor Ort zu den ProtagonistInnen der dänischen Volkskultur und sammelte auf vielen Wanderungen v.a. ab 1888 in Jylland schier unendlich viel Material: 3’000 Volkslieder mit 1’000 Melodien, 2’700 Märchen sowie 25’000 Legenden und Reime und schoss eigenhändig knapp 20 Fotos seiner InformantInnen. Seine Aufzeichnungen über Bräuche und Volkskunst währten sein Leben lang, er veröffentlichte gegen 80 Bücher und ungleich mehr Artikel. Doch er hat nie selbst Musik transkribiert, die er vor Ort hörte, sondern sammelte einfach das vorhandene Material ein, wie z.B. Notenbücher. Kristensen hatte in seinem Elternhaus keine musikalische Ausbildung erhalten, war jedoch imstande, als junger Lehrer ein Examen abzulegen, das ihm erlaubte, als Kirchensänger zu arbeiten.



Im Sommer 1907 trat mit dem 26jährigen Hakon Grüner-Nielsen, der seit einem Jahr für die Folkemindesamling tätig war und Kristensen bei seiner Sammeltätigkeit begleiten sollte, ein völlig neues Gerät in Kristensens Leben: ein Phonograph, mit dem sich Melodien und Lieder live aufzeichnen liessen. Doch im selben Jahr betrachtete er seine Volksliedsammlung bereits als im wesentlichen abgeschlossen. Mit dem Phonographen konnte er sich nicht wirklich anfreunden: „Es ist im Grossen und Ganzen ein furchtbares Gerät, und es kann das Lied nicht richtig wiedergeben.“ Er schrieb viel später in einem Brief an Grüner-Nielsen im April 1920: „Danke für das Buch, das Sie mir geschickt haben. Ja, ich habe kein Verständnis für die Teile, d.h. den Walzer. Die ganze Sache ist wie ein Schleifstein für mich…“

Erik Jensens Nodebog ist ein Schmuckstück aus Kristensens gut 30 Teile umfassenden Nachlass an Musiknoten und -büchern. Es ist eines von nur ca. fünf Notenbüchern aus den unteren Schichten Dänemarks aus der Zeit vor 1800. Erik Jensen war gemäss Koudal höchstwahrscheinlich der 18jährige behinderte arme Mann, der in der Volkszählung von 1787 mitsamt seinen Eltern als in Boes/Skanderborg lebend erfasst wurde. Sein Vater sei Landwirt und Pflasterer gewesen und die Familie habe 1801 immer noch dort gelebt. Er habe das Buch entweder selbst angefertigt (oder fortlaufend beschrieben erhalten), als er 1790-91 bei Jens Rasmussen Bøker das Geigenspiel erlernt habe. Ein Rasmussen taucht tatsächlich im Notenbuch namentlich auf (vgl. Manuskript, S. 26 und 35), allerdings in Verbindung mit dem Ort Haarbye (Fyn). Es gibt im hinteren Teil des Notenbuchs jedoch auch mehrere Handschriftenwechsel, weshalb ein damit einhergehender Ortswechsel durchaus denkbar ist.

Das Manuskript ist als Teil der Dansk Folkemindesamling auf der Webseite der Kgl. Bibliotek Kopenhagen digital einsehbar.

Nachfolgend findest Du jeweils die Manuskriptseite mit einem direkten Link zum Original, das zeilengetreue Transkript (mit Anmerkungen) zum freien Download unter einer CreativeCommons-Lizenz sowie eine Tonaufnahme der Neufassung, die Du Dir hier anhören kannst. Die Neufassungen mit Bogenstrichen und Harmonisierungsvorschlägen kannst Du nachfolgend als einzelne Seiten erwerben.


Cron Prindtzen Mars Jensen 6r (Nr. 15)

Neufassung

CHF 1.80

Solen den virker op Jensen 7rb (Nr. 19)

Neufassung

CHF 1.50

Da St. Peder Vandret om Jensen 8r (Nr. 22)

Neufassung

CHF 1.80

Engels Dans Jensen 8va (Nr. 23)

Transkription

Neufassung

CHF 1.50

Engels Pols Dans Jensen 13rb (Nr. 42)

Neufassung

CHF 1.50

Mad de Faster Jensen 17vb, 18rab (Nr. 56)

Neufassung

CHF 1.80

Winter Fuglen Jensen 19va (Nr. 59)

Transkription

Neufassung

CHF 1.80


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