Die Reventlows waren/sind eine weit verzweigte Familie, die v.a. in Norddeutschland und Dänemark Güter und Schlösser besass/besitzt, jedoch auch nichtadelige Angehörige hat/te. Von welchem Ort dieses Notenbuch herstammt, ist nicht klar. Für einmal scheint die Gravur auf dem Einband („E. Reventlow“) mit der/m Eigentümer/in und dem Inhalt übereinzustimmen, was im 18. Jh. keineswegs immer der Fall war, denn sowohl Einbände wie Papier waren teuer und wurden mehrfach wiederverwendet. Doch die Person „E. Reventlow“ ist nicht leicht zu finden. Ein dänischer Genealoge listet hier 237 Familienmitglieder mit dem Vornamen E auf. Das ist aber nicht das einzige Problem, denn das Notenbuch wurde nicht etwa kontinuierlich nach und nach gefüllt, sondern offensichtlich falsch gebunden: zuerst kommen die Nr. 68-82, dann 1-67, 86, 83-85, 87-109, 119, 110-115, 120, 116-118, 121-159 und dann direkt anschliessend noch ein paar deutschsprachige Lieder aus dem 19. Jh. Das wiederum könnte dafür sprechen, dass der Einband eben doch nicht zum Inhalt gehören könnte, zumal der Inhalt später gebunden wurde als er entstanden ist, und dass das Notenbuch ev. deutscher Provenienz sein könnte.
Mit dem Format 21.0 x 27.5 cm war dieses Notenbuch nicht zum Reisen gedacht, sondern dafür, es auf einem Notenständer aufklappen und daraus spielen und/oder Tanzanweisungen geben zu können. Das passt zum vornehmeren Umfeld auf den Gütern der Reventlows, die vermutlich mehr Zeit als andere hatten, sich auch den schönen Künsten zuzuwenden. Auf der linken Seite des Manuskripts finden sich jeweils die sorgfältigen Zeichnungen der Tanzanweisungen in schwarzer und roter Schrift, in französisch und deutsch, auf der rechten Seite die zugehörigen Melodien. Das Notenbuch wurde ca. 1920 von einem Jørgen Olrik „auf unbestimmte Zeit“ der Dans Folkemindesamling übergeben. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um den gleichnamigen Historiker (1875-1941), der ab 1920 leitender Museumsinspektor wurde und sich für volkskundliche Themen interessierte.
Aus diesem Manuskript wird weitherum nur „Reventlow 85“ gespielt, dabei ist dies nicht das einzige gute Pferd im Stall, was Du beim Hören und Spielen bald selbst feststellen wirst.
Das Manuskript ist als Teil der Dansk Folkemindesamling auf der Webseite der Kgl. Bibliotek Kopenhagen digital einsehbar.
Den Stücken, die im Original keinen Titel hatten, wurde in der Neufassung ein neuer Titel gegeben. Manchmal fand sich ein passender Titel aus einer Parallelquelle, meistens jedoch wurde auf spontane Assoziationen zurückgegriffen, die auf dänisch übersetzt wurden und für Dich hoffentlich anschlussfähig sind.
Nachfolgend findest Du jeweils die Manuskriptseite mit einem direkten Link zum Original, das zeilengetreue Transkript (mit Anmerkungen) zum freien Download unter einer CreativeCommons-Lizenz sowie eine Tonaufnahme der Neufassung, die Du Dir hier anhören kannst. Die Neufassungen mit Bogenstrichen und Harmonisierungsvorschlägen kannst Du nachfolgend als einzelne Seiten erwerben.
Modigt går jeg gennem skoven Reventlow 12
James Magot Reventlow 35
Konkordanzen: Hammer 23 (James’s Maggot); Svabo 28r (S. 40: James Magot)
På gyngen Reventlow 49
Konkordanzen: Dreysser 44vb (Nr. 53)
Smørblomster Reventlow 89
Konkordanzen: H.C.S. 15r (Nr. 31: Quite prodigous) und 62r (Nr. 125: Hibernian rerl); Reventlow 89
På kattepoter Reventlow 95
Konkordanzen: V.D.W. 33va (Nr. 76)
Schotsch Bonet Reventlow 119
Konkordanzen: Recueil de Contre Danse 30a (Nr. 23: Le tavassassy); Reventlow 119 (Schotsch Bonet)
La Bohemienne Reventlow 137
Konkordanzen: Bast 21vb (La Boehmine); Hammer 31 (La Böehmiene eltre La Favorit de Basong); Rønning 8 (La Boehmine); Svabo 64v (Englis)
hyggejig Reventlow 153
Konkordanzen: H.C.S. 62v (Nr. 126: xxx); Reventlow 153